Alice Schwarzer & Jörg Kachelmann, zum Dritten
Hat der »GAU für die eigene Reputation« stattgefunden, die ich am 8.10.2010 für Alice Schwarzer prognostizierte, nachdem ihre Tätigkeit für Bild bekannt geworden war und die Arbeitsproben von gut einem Monat der Prozeßbeobachtung vorlagen? Ja, das kann man durchaus sagen. Einerseits. Andererseits aber auch wieder nicht. Es geht einem bei näherer Betrachtung nämlich auf, daß der Journalismus-Begriff von Emma und Bild schon immer identisch war – lediglich Publikum und Zielsetzung unterschieden sich und unterscheiden sich noch immer –, jedenfalls grundsätzlich. Da haben sich also zwei gesucht und gefunden, begrenzt auf den Zeitraum, in dem sich die unterschiedlichen Interessen unzufällig überschneiden.
Schwarzer hat wegen einer wahrheitswidrigen Behauptung über eine angebliche ›Opfer‹-Diffamierung des Kachelmann-Verteidigers Birkenstock in ihrem Bild-Artikel vom 15.10.2010 sowohl eine strafbewehrte Unterlassungserklärung unterzeichnen als auch, mangels hinreichender Onlinetext-Tilgungen in ihren Blogs, einstweilige Verfügungen entgegennehmen müssen. Vertragsstrafen und Ordnungsgelder werden gegen sie geltend gemacht.
Bild, erfahrener in der Abwägung zwischen dem Mehrwert von Auflagensteigerung und den Kosten eines aussichtslosen Rechtsstreits, hatte geschmeidiger reagiert und es auf einen Prozeß gar nicht erst ankommen lassen... Für Alice Schwarzer war das eine neue Erfahrung. Daß sie, erstmals für ein Millionenpublikum schreibend, so ernst genommen werden könnte, hatte sie vielleicht nicht einmal geahnt. ›Wahrheit‹, das war doch immer vorrangig die Wahrheit von Thesen, denen sich ›Wirklichkeit‹ zu fügen hatte. Wenn sie nicht pariert, wird sie zurechtgestutzt.
Wie Schwarzer im Fall Kachelmann vorgeht, ist lange eingeübt. Anders hat sie niemals gedacht oder gar geschrieben: könnte das der Grund sein, weshalb sie im Jahr 1966 die Aufnahmeprüfung an der Journalistenschule nicht bestanden hat, wie Bascha Mika in: Alice Schwarzer. Eine kritische Biographie, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 68, überaus glaubhaft behauptet? Schauen wir uns die Bild-Artikel von Alice Schwarzer einfach mal ganz genau an. Danach weiß man Bescheid.
Zwischenbilanz II
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